Dorothea Brummerloh

freie Journalistin

Feature

Zwangsadoptionen in der DDR (Deutschlandradio Kultur)

Mehreren hundert Frauen und Männern wurden in der DDR die Kinder weggenommen: weil sie als „Staatsfeinde“ galten, als arbeitsscheu oder weil ihre Lebensweise dem SED-Regime nicht passte. Manche von ihnen suchen bis heute nach ihren Kindern.

Zwangsadoptionen in der DDR (mp3)

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Vom Leben nach dem Überleben (DLF „Das Feature“)

Junge zu Pflegende und die Grenzen des Pflegesystems (DLF, Das Feature)

Ein schwerer Verkehrsunfall 2009 ändert alles in Renés Leben. Dank des medizinischen Fortschritts überlebt er das schwere Schädel-Hirn-Trauma. Der Unfall macht aus einem gesunden Motorrad-Fan einen Pflegefall. Heime, die sich um Menschen wie ihn kümmern, gibt es kaum.

So wie dem damals 43-Jährigen ergeht es rund 470.000 Menschen jährlich in Deutschland, die durch Unfall, Schlaganfall, Hirnblutung, Tumor, Krankheiten oder Vergiftungen einen Hirnschaden erleiden. Noch vor 15 Jahren wären viele daran gestorben. Gut 70.000 von ihnen bleiben nach der Behandlung dauerhaft auf Unterstützung angewiesen.

„Normale“ Pflegeheime, wo Kastanienmännchen gebastelt oder „Hoch auf dem gelben Wagen“ gesungen wird, sind auf sie nicht eingestellt. Die Ruhe, das Ambiente, das Radio, das Volksmusik dudelt, sind für jüngere Pflegebedürftige, die am Abend vielleicht auch mal bei Bier und Zigarette zusammensitzen und Popmusik hören wollen, ein Graus. Mehr noch: länger schlafen, genaue Vorstellungen über tägliche Körperpflege, Haarstyling etc. sind im bestehenden Pflegesystem nicht vorgesehen. Und spezielle Angebote gibt es nur wenige.

Vom Leben nach dem Überleben (mp3)

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Medizin, Moneten und Moral: Übertherapie. Ursachen und Folgen (DLF „Das Feature“)

Etwa 15 Mal im Jahr geht der Durchschnittsdeutsche zum Arzt – mehr als in jedem anderen Land. Und bekommt selten, was er braucht: ein ruhiges Gespräch. Dafür jede Menge Pillen, Röntgen, Ultraschall, EKG. Nebenwirkungen inklusive.

In den Krankenhäusern sieht es nicht anders aus: Kein Fachgebiet kann sich dem Verdacht entziehen, zu viel des Guten zu tun. Die Zahl der stationären Operationen ist von 2007 bis 2017 von knapp 40 auf über 60 Millionen geklettert. 200.000 künstliche Hüftgelenke werden pro Jahr eingesetzt, 185.000 Herzoperationen durchgeführt, 900.000 Herzkatheder gelegt. Teure Apparate und OP-Säle müssen schließlich ausgelastet werden.

Die Gesundheitsausgaben in Deutschland haben 2017 erstmals die Marke von einer Milliarde Euro pro Tag überschritten. Fehlanreize lassen alle Akteure durchs Gesundheitssystem hetzen. Eine Bestandsaufnahme.

Übertherapie. Ursachen und Folgen (mp3)

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Alptraum Elternunterhalt: Wenn Kinder für Rabeneltern haften müssen (DLF „Das Feature“)

Laut BGB haben Kinder gegenüber ihren Eltern Anspruch auf Unterhalt, umgekehrt ist es genauso. Das ist normal. Die Eltern haben gegeben, also gibt man gern zurück. Was aber, wenn sich die Eltern nie gekümmert haben? Wenn die Mutter Alkoholikerin war oder der Vater geschlagen hat?

Deutschland wird alt: Lag vor 150 Jahren die Lebenserwartung noch bei 40 Jahren, werden Frauen heute durchschnittlich 83, Männer 78 Jahre alt. Mit der alternden Gesellschaft wächst auch der Bedarf an Heim- und Pflegeplätzen: Studien prognostizieren, dass der Anteil der Pflegebedürftigen, die in ein Heim müssen, 2020 bei 37,4 Prozent liegen wird. Schon heute kostet diese Pflege im Jahr insgesamt mehr als 20 Milliarden Euro.

Jeder sechste der Betroffenen kann sich die Pflege nicht leisten. Dann springt der Staat ein. Doch dieses System stößt an Grenzen, die Pflegeversicherung reicht nicht aus. Und so prüfen Sozialämter, ob zahlungsfähige Kinder die Kosten übernehmen können. Ob sie wollen, werden sie nicht gefragt.

Alptraum Elternunterhalt: Wenn Kinder für Rabeneltern haften müssen (mp3)

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Wenn Mutti früh zur Arbeit geht: Über haushaltsnahe Dienstleistungen, Schwarzarbeit und Butler (Deutschlandradio Kultur „Zeitfragen“)

In den Haushalten der Oberschicht übernehmen zunehmend wieder Butler und Dienerinnen das Gärtnern, das Kochen, das Staubwischen und andre Arbeiten. Wer richtig wohlhabend ist, kann sich gutes Personal leisten. Diese Arbeitskräfte werden nicht mal schnell über digitale Portale gesucht, sondern meist über Agenturen vermittelt. Dienstleistungen wie putzen, bügeln, waschen sind aber auch in der Mittelschicht gefragt. Wie sollen Familien sonst die Anforderungen in Beruf und zu Hause erfüllen? Und warum die kostbare Freizeit mit Putzen verbringen? Vielfach gewünscht, ist die Hilfe im Haushalt jedoch für viele zu teuer. Der Schwarzmarkt blüht. Und die Mittelschicht macht, was sie früher bei den oberen Zehntausend verachtet hat: Sie lässt sich bedienen für wenig Geld. In Baden - Württemberg wird derzeit erprobt, wie man mehr qualifizierte und sozialversicherte Haushaltsdienstleistungen ermöglichen kann. Frauen und Männer, die wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen oder ihre Arbeitszeit ausweiten, erhalten einen Zuschuss, wenn sie sozialversicherungspflichtige Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Eine Idee, die aus Belgien kommt und sich dort bewährt hat. Damit soll zugleich Schwarzarbeit zurückgedrängt werden. Mehr als ein Modellprojekt?
 

Wenn Mutti früh zur Arbeit geht (mp3)

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Eine Frage des Glaubens (DLF „Dossier“)

Homöopathie auf dem Prüfstand

Die medizinische Versorgung in Deutschland ist heute besser als je zuvor. Trotzdem wächst die Skepsis gegenüber der Schulmedizin, der seelenlosen Apparatemedizin. Viele Patienten suchen ihr Heil in der Homöopathie. Dabei scheinen auch kritische Menschen jegliche Bedenken zu vergessen und glauben an den heilenden Geist des Wassers.

Die von Samuel Hahnemann im 18. Jahrhundert entwickelte Homöopathie setzte Methoden wie Aderlass und Brechkuren eine milde Behandlung entgegen. Der Arzt starb, bevor Robert Koch die Mikrobiologie und das Verständnis für Infektionskrankheiten entwickelte.

Da die Wirksamkeit von Homöopathika naturwissenschaftlich nicht belegt ist, müssen sie in den USA Warnhinweise tragen. In Deutschland hingegen sind sie zugelassen. Obwohl viele Forscher belegen, dass homöopathische Mittel nicht besser als Placebos wirken, erstatten die meisten Krankenkassen die Kosten dafür. Medizin ist nicht nur Wissenschaft, sondern auch Heilkunst. Das Dossier fragt: Gehört die Homöopathie dazu?

DLF Eine Frage des Glaubens (mp3)

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Das letzte Rezept (rbb Kulturradio - „Gott und die Welt“)

Ärzte als Sterbehelfer?
 

Mitte November wird der Bundestag über eine Neuregelung der Sterbehilfe entscheiden. Dabei geht es vor allem um die Rolle der Ärzte. Die vier fraktionsübergreifenden Gesetzentwürfe der Abgeordneten reichen vom völligen Verbot der Sterbehilfe bis hin zur ausdrücklichen Erlaubnis für den Arzt, schwerstkranken Patienten Beihilfe zum Suizid zu leisten. Es ist eine Gewissensentscheidung – nicht nur für die Abgeordneten. Denn selbst wenn Ärztinnen und Ärzte dadurch Rechtssicherheit haben sollten, ist vielen nicht wohl bei dem Gedanken, Herr über Leben und Tod zu sein. Wie stehen sie zu ihrer zukünftigen Aufgabe, das Leiden nicht nur zu lindern, sondern auf Wunsch auch zu beenden?

Das letzte Rezept (mp3)

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Schrottplatz Mensch (DLF „Dossier“)

Skandale um Medizinprodukte, zu denen Holzspatel, Kondome, aber auch Hüftimplantate zählen, scheinen an der Tagesordnung: mit Industrie-Silikon gefüllte Brustimplantate, Metallabrieb im Hüftgelenk oder Kabelbruch am Herzschrittmacher.

Kein Land implantiert so viele Prothesen wie Deutschland. Doch niemand scheint hier die Patienten vor fehlerhaften Medizinprodukten zu schützen. Sie werden vor der Zulassung nur im Labor getestet, zeigen ihre Risiken erst nach dem Einsatz. Anders als bei der Zulassung von Arzneimitteln, die vor ihrer Zulassung durch eine unabhängige Behörde untersucht werden müssen, dürfen bei Medizinprodukten die Hersteller ihre Prüfer selbst auswählen.

Die Produkte müssen in einer "benannten Stelle" mit dem CE-Siegel zertifiziert werden. Garantiert wird damit die technische Sicherheit und Funktionsfähigkeit, zum Beispiel, dass die Farbe nicht abgeht. Ob die Anwendung beim Patienten Nebenwirkungen verursacht, wird nicht geprüft.

Schrottplatz Mensch (mp3)

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„Du Spritze. Arm frei!“ –Babylon im Krankenhaus (Deutschlandradio Kultur „Zeitfragen“)

Aufgrund des Ärztemangels vor allem auf dem Land werben die deutschen Kliniken immer mehr Mediziner aus dem Ausland an. Diese müssen zwar ihre fachlichen Qualifikationen belegen, doch bei ihren Sprachkenntnissen wird oft ein Auge zugedrückt.

In deutschen Kliniken und ländlichen Praxen herrscht Ärztemangel. Auch deshalb arbeiten rund 33.000 zugewanderte Mediziner in Deutschland. Tendenz steigend. Die neuen Mitarbeiter, die aus Rumänien, Ungarn, Russland, Griechenland, Syrien, Afghanistan und vielen anderen Ländern kommen, müssen ihre fachliche Qualifikation belegen. Für den Nachweis der Sprachkenntnisse genügt das B2- oder C1-Zertifikat. Die Erfahrungen zeigen: Das reicht nicht aus. Zunehmend fühlen sich Patienten vom Arzt "nicht verstanden". Rudimentäre Sätze über Diagnose und Therapie führen zu Informations- und Vertrauensverlust.

Sehr gute Sprachkenntnisse sind auch fachlich notwendig, denn gerade in der inneren Medizin oder in der Psychiatrie werden Diagnosen vor allem über das Gespräch ermittelt. Ärzte und Pflegepersonal klagen ebenfalls über Kommunikationsprobleme mit den zugewanderten Kollegen. Politik und Standesverbände haben das Problem erkannt. Während die einen noch über die Finanzierung der Lösung streiten, handeln andere.

Babylon im Krankenhaus (mp3)

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Heilen macht krank oder der Arzt als Patient (DLF „Das Feature“)

Ärzte heilen heute nicht mehr nur, sie sind auch Verwaltungsangestellte. Sie dokumentieren, füllen bergeweise Anträge und Formulare aus.

Für die eigentliche Arbeit am Patienten bleibt wenig Zeit. Der ökonomische Druck, der auf den Krankenhäusern lastet, ist enorm. Auch sie müssen wirtschaftlich arbeiten. Arbeitszeiten und Arbeitsbelastung der Ärzte steigen an und mit ihnen die Angst vor Behandlungsfehlern, die nicht nur für Patienten eine Katastrophe bedeuten.

Das alles hat Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Ärzte, die oft schlechter aussehen als ihre Patienten. Mediziner leiden öfter an Depressionen und Suchterkrankungen als andere Berufsgruppen, begehen doppelt so häufig Selbstmord. Ärzte bekommen meist erst mit, welche Mängel das System hat, wenn sie selbst Patienten sind.

Tun sie etwas dagegen? Warum macht der Arztberuf so viele krank? Wie gefährlich ist das für die Patienten? Was hat Einfluss auf das Arzt-Patienten-Verhältnis? Kann ein kranker Arzt andere noch heilen?

Heilen macht krank oder der Arzt als Patient (mp3)

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